Unser Verein

Clubgeschichte

Der 1. Weltkrieg war längst vorbei, der 2. noch nicht ganz so präsent, aber es war da schon etwas, was ahnen ließ, dass es bald wieder brenzlig werden würde im alten Kaiserstaat. Tun konnte man herzlich wenig dagegen, außer sich eben davon ablenken. Die Möglichkeiten dazu wurden aufgrund der damals aufkommenden gesellschaftlichen Zwänge immer geringer, aber gegen das Tanzen war selbst im Jahre 1934 noch kein Kraut gewachsen.

So kam es, dass sich eine Handvoll begeisterter Tänzer, genauer gesagt neun Personen, vor 70 Jahren zusammentaten, um einen Tanzsportclub zu gründen „zum Zweck des Ausbaus und der Förderung des gepflegten Gesellschaftstanzes“.

„Gesellschaftstanzclub Rot-Weiss“ nannte man sich damals, und weder Gesellschaft noch Tanz kamen zu kurz in diesem jungen Club, der inzwischen der älteste Tanzsportclub in Karlsruhe ist. Man tanzte damals hauptsächlich Vergleichsturniere gegen andere „Tanzschulen“, sei es nun gegen Mannheim im Waldhotel in Triberg, oder gegen unzählige andere Tanzbegeisterte in den 30er Jahren. Wenn die „sportliche Pflichtkür“ dann abgehandelt war, egal ob Training oder Turnier, ging man „auf die Rassel“ – meist in die Gaststätte „Grüner Baum“, wo man dann bei einem „Tänzerschorle“ für 55 Pfennige die Tagesereignisse besprach, herumalberte und eben einfach das Beste aus der Zeit machte.

1938 wurde mit erschreckender Deutlichkeit sichtbar, wie weit der Nationalsozialismus und seine Auswüchse mittlerweile gediehen waren. Bei einer Formationsdarbietung des Clubs kamen plötzlich einige SS-Männer in den Saal und marschierten einfaach so lange kreuz und quer über die Tanzfläche, bis die Formation zerstört war – alles nur wegen eines Langsamen Walzers… Noch viele Jahre hielten die Karlsruher Tänzer die Stellung gegen den NS-Terror, bis…

Nun darf man sich nicht vorstellen, dass man sich 1939 trennte, etliche Jahre überhaupt nichts voneinander hörte, und dann plötzlich – hopplahopp – war alles wieder wie vorher. Oh nein, und bei einem Haufen gestandener Tänzer schon gar nicht. Trotzdem kam die Sache erst wieder so richtig in Schwung, als im Jahr 1949 abermals Albert Eisele die Initiative ergriff, rund 30 Personen einlud, um mit ihnen über eine Wiedergründung des Rot-Weiss zu diskutieren. Und ruckzuck wurden aus den 26 Gründungsmitgliedern binnen zwei Monaten schon stolze 49. Zwar gab es nur drei Übungsabende im Monat, und nicht wie heute zig Trainingsgruppen mit jeweils verschiedenen Trainern und Übungsleitern, aber ein Anfang war gemacht; und schon im Dezember des gleichen Jahres feierte der Rot-Weiss schon wieder – wie das nun schon immer seine Art gewesen ist, und auch bleiben sollte: Man verbrachte einen gemeinsamen Nikolausabend, und auch die Clubkasse beteiligte sich, sie unterstützte die Unternehmung mit einem einmaligen Zuschuss von 27,78 DM (eine Zahl, die unserer derzeitigen Schatzmeisterin die Tränen in die Augen treiben würde…). Die zweiten Clubmeister nach dem Kriege hießen Margarete und Michael Klaus, letzterer war Gründungs- und Wiedergründungsmitglied.

Jener Michael Klaus war es übrigens auch, der einer ehemaligen Rot-Weiss-Turniertänzerin geraten hat, ihre Tochter in die Tanzschule Buchholz zu schicken, wo eben jene Tochter dann ihren späteren Mann kennenlernte, mit dem sie im Laufe der Jahre dann unter anderem 6-fache Deutsche Meister der Professionals wurde – Wolfgang und Monika Tönnies heißen die beiden übrigens, und Wolfgang Tönnies dankt es dem Rot-Weiss auch heute noch, indem er ihm als erfahrener und erfolgreicher Trainer zur Seite steht.

In den 50er Jahren sah übrigens die „Bereifung“ noch etwas anders aus als heute: Man tanzte nämlich noch mit Parkettschonern, jenen Filzschlappen also, wie man sie heute allenfalls noch bei Schlossbesichtigungen trägt, sofern der Boden aus einem besonders kostbaren Holz ist.

Als Kennedy Berlin besuchte, wechselte der Rot-Weiss seinen Trainer – große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der Assistent dieses Trainers war kein geringerer als Wolfgang Tönnies.

Ein Jahr später, also 1964, lud man einen befreundeten französischen Tanzsportclub zum Vergleichskampf nach Karlsruhe ein. Wiederum ein Jahr später hieß es für die Karlsruher ab nach Paris, von wo sie den 2. Platz mit nach Hause brachten. Auch ein Club aus Zürich war mit von der Partie gewesen.

1966 schließlich wurde Wolfgang Tönnies endgültig Trainer des Rot-Weiss Karlsruhe. Bald war man sich so ans Herz gewachsen, dass man viele Dinge gemeinsam unternahm, wie zum Beispiel die Ausrichtung der deutschen Allroundmeisterschaften der Professionals im Jahr 1973.

Und dann kam das große Ereignis in der Geschichte des Rot-Weiss:

Der TSC Rot-Weiss Karlsruhe eröffnete 1984 unter reger Anteilnahme seiner Mitglieder und Freunde ein eigenes Clubhaus im Erbprinzenhof. Zur Eröffnungsfeier waren mehr als 100 Mitglieder erschienen. Die renovierten Räumlichkeiten und das gemütliche Clubcafé fanden uneingeschränkten Beifall der Mitglieder. Von diesen war Erstaunliches an Renovierungsarbeiten geleistet worden, um dieses Clubhaus seiner Bestimmung übergeben zu können. Mit fast 250 Mitgliedern war der Rot-Weiss schon damals einer der größten Tanzsportvereine in Baden-Württemberg. Die sportlichen Erfolge sind nicht zu knapp und auch die gesellschaftliche Seite spielt bei den Mitgliedern eine große Rolle.

Seit 1979 findet einmal jährlich in Bad Herrenalb ein Ball mit wechselnden Turnierklassen statt. Auch in Bad Bergzabern wird seit 1981 ein entsprechender Ball durchgeführt.

Im Jahr 1985 richtete der TSC Rot-Weiss in der Badnerlandhalle die Landesmeisterschaften in den Startklassen B- und A-Standard aus.

Erstmals im Jahre 1986 veranstaltete der Club einen „Tag der offenen Tür“. Bis Ende des Jahres hatten bereits über 300 Mitglieder Freude am Tanzen im Rot-Weiss. Nach langen Verhandlungen mit der Stadt Karlsruhe gelang es, einen weiteren Trainingssaal im „Seminarhaus“ zu beziehen.

1989 erschien im August die erste Ausgabe der Clubzeitschrift „IMPETUS“, durch die die Mitglieder über alle wichtigen Ereignisse im und um den Club herum informiert werden.

Am 21. September 1991 konnte endlich der Traum eines neuen, größeren Clubheims realisiert werden: An diesem Tag fand die große Eröffnungsfeier für das Tanzsportzentrum des TSC Rot-Weiss Karlsruhe statt, das größte in Süddeutschland. Das neue Clubheim mit nun drei großen Räumen wird seither stark frequentiert. Jetzt fanden fast monatlich Turniere statt, und auch andere Veranstaltungen wurden bestens besucht.

1994 feierte der TSC Rot-Weiss Karlsruhe e.V. sein 60-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass erhielt er ein neues Clublogo. Auch die Clubzeitschrift „IMPETUS“ hatte Grund zum Feiern, sie bestand bereits seit 5 Jahren. Zum ersten Mal seit der Gründung vor 60 Jahren wird in den Clubräumen eine DTSA-Abnahme durchgeführt.

1996 wurde mit Unterstützung des TSC Rot-Weiss in der Europahalle Karlsruhe die Deutsche Meisterschaft in Latein ausgetragen. Ein Jahr später fand wiederum in der Europahalle die Weltmeisterschaft in den Standardtänzen statt. Im Jahr 1998 war der TSC Rot-Weiss als erster Club Ausrichter eines Tanzturniers für gleichgeschlechtliche Paare, des „Fidelitas-Cup“. Am 13. November 1999 fanden in der Europahalle Karlsruhe die Deutschen Meisterschaften im Formationstanz Standard und Latein statt. Auch hier trat der TSC Rot-Weiss als Mitausrichter auf.

Seit der Eröffnung des Tanzsportzentrums 1991 werden in den Räumlichkeiten des TSC Rot-Weiss regelmäßig Turnierveranstaltungen im Turnier- und Breitensportbereich durchgeführt. Aber es gibt auch viele andere Gelegenheiten, um bei sportlicher oder gemütlicher Atmosphäre in unserem Clubheim den einen oder anderen Kontakt zu knüpfen…